Viele Kin­der und ihre Fami­lien ste­hen heute unter gro­ßen Anfor­de­run­gen. Man­che Kin­der sind unru­hig und zap­pe­lig, andere wir­ken schnell über­for­dert oder zie­hen sich zurück. Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten, Pro­bleme beim Lesen, Schrei­ben oder Rech­nen, eine ver­krampfte Stift­hal­tung oder emo­tio­nale Her­aus­for­de­run­gen gehö­ren für viele Fami­lien zum All­tag.

Nicht immer lie­gen die Ursa­chen dort, wo man sie zunächst ver­mu­tet. Manch­mal spie­len soge­nannte früh­kind­li­che Reflexe eine Rolle.

Früh­kind­li­che Reflexe sind ange­bo­rene Bewe­gungs­mus­ter, die teil­weise bereits im Mut­ter­leib ent­ste­hen und dem Baby nach der Geburt hel­fen, sich zu ent­wi­ckeln. Sie unter­stüt­zen wich­tige Pro­zesse wie Gleich­ge­wicht, Mus­kel­span­nung, Koor­di­na­tion, Wahr­neh­mung und die Ent­wick­lung des Ner­ven­sys­tems. Im Laufe der ers­ten Lebens­jahre wer­den diese Reflexe nor­ma­ler­weise inte­griert – das bedeu­tet, dass sie ihre ursprüng­li­che Funk­tion ver­lie­ren und durch bewusste, kon­trol­lierte Bewe­gun­gen ersetzt wer­den.

Ver­läuft die­ser Rei­fungs­pro­zess jedoch nicht voll­stän­dig, kön­nen ein­zelne Reflexe rest­ak­tiv blei­ben und die wei­tere Ent­wick­lung beein­flus­sen. Ursa­chen kön­nen bei­spiels­weise Belas­tun­gen wäh­rend Schwan­ger­schaft oder Geburt, Ent­wick­lungs­ver­zö­ge­run­gen, Krank­hei­ten, Stress oder Bewe­gungs­man­gel sein.

Zu den Refle­xen, die häu­fig eine Rolle spie­len, gehö­ren der Moro-Reflex (Schreck­re­flex), der Toni­sche Laby­rinth-Reflex (TLR), der Asym­me­trisch Toni­sche Nacken­re­flex (ATNR), der Sym­me­trisch Toni­sche Nacken­re­flex (STNR) sowie der Spi­nale Galant-Reflex. Je nach­dem, wel­cher Reflex noch aktiv ist, kön­nen unter­schied­li­che Her­aus­for­de­run­gen ent­ste­hen.

Mög­li­che Hin­weise auf rest­ak­tive Reflexe sind:

  1. Kon­zen­tra­ti­ons- und Auf­merk­sam­keits­pro­bleme
  2. starke Unruhe oder stän­di­ges Zap­peln
  3. Schwie­rig­kei­ten beim Lesen, Schrei­ben oder Abschrei­ben
  4. ver­krampfte Stift­hal­tung und unle­ser­li­che Hand­schrift
  5. Unge­schick­lich­keit, Stol­pern oder Gleich­ge­wichts­pro­bleme
  6. emo­tio­nale Über­re­ak­tio­nen, Ängste oder Rück­zug
  7. Schlaf­pro­bleme und schnelle Erschöpf­bar­keit
  8. Schul­frust und gerin­ges Selbst­ver­trauen

Diese Sym­ptome haben selbst­ver­ständ­lich nicht immer mit früh­kind­li­chen Refle­xen zu tun. Den­noch lohnt sich ein genauer Blick, wenn Schwie­rig­kei­ten trotz Unter­stüt­zung bestehen blei­ben.

Denn die gute Nach­richt lau­tet: eine nach­träg­li­che Inte­gra­tion der restof­fe­nen Reflexe ist mit einem ein­fach durch­zu­füh­ren­den Bewe­gungs­trai­ning mög­lich. Dabei wer­den zunächst die rele­van­ten Reflexe über­prüft. Anschlie­ßend erhält das Kind indi­vi­du­ell aus­ge­wählte Bewe­gungs­übun­gen, die regel­mä­ßig zu Hause durch­ge­führt wer­den. Die Übun­gen sind ein­fach umzu­set­zen und benö­ti­gen meist nur wenige Minu­ten täg­lich. Ent­schei­dend für den Erfolg sind die Regel­mä­ßig­keit und die Mit­ar­beit der Fami­lie.

Ziel der Reflex­in­te­gra­tion ist nicht, Sym­ptome zu unter­drü­cken, son­dern das Ner­ven­sys­tem in sei­ner natür­li­chen Rei­fung zu unter­stüt­zen. Dadurch kön­nen sich Bewe­gungs­ab­läufe, Kör­per­wahr­neh­mung, Auf­merk­sam­keit und emo­tio­nale Sta­bi­li­tät ver­bes­sern.

Reflex­in­te­gra­tion ver­steht Ent­wick­lung nicht als star­res Kon­zept, son­dern als einen Pro­zess, der auch nach­träg­lich unter­stützt wer­den kann. Wenn das Ner­ven­sys­tem die Mög­lich­keit erhält, feh­lende Ent­wick­lungs­schritte nach­zu­ho­len, ent­ste­hen oft mehr innere Ruhe, kör­per­li­che Sta­bi­li­tät und Freude am Ler­nen und Leben.


Wich­ti­ger recht­li­cher Hin­weis und Haf­tungs­aus­schluss: Die­ser Infor­ma­ti­ons­bei­trag dient aus­schließ­lich der all­ge­mei­nen Auf­klä­rung, Refle­xion und Markt­trans­pa­renz. Die beschrie­bene Methode der Reflex­in­te­gra­tion und das damit ver­bun­dene Bewe­gungs­trai­ning sind Ver­fah­ren der kom­ple­men­tä­ren Erfah­rungs­heil­kunde sowie der päd­ago­gi­schen Ent­wick­lungs­för­de­rung. Sie gehö­ren nicht zu den all­ge­mein aner­kann­ten Metho­den der Schul­me­di­zin oder der evi­denz­ba­sier­ten Wis­sen­schaft. Die Erwäh­nung von Sym­pto­men wie Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­men, moto­ri­scher Unruhe oder Lese­schwie­rig­kei­ten dient ledig­lich der phä­no­me­no­lo­gi­schen Beschrei­bung mög­li­cher Ent­wick­lungs­aspekte im Kin­des­al­ter und stellt keine medi­zi­ni­sche, psy­cho­lo­gi­sche oder psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Dia­gnose, Heil­be­hand­lung oder the­ra­peu­ti­sche Emp­feh­lung dar. Die Methode kann und will eine not­wen­dige ärzt­li­che, kin­der­psych­ia­tri­sche, ergo­the­ra­peu­ti­sche oder logo­pä­di­sche Abklä­rung und Behand­lung nicht erset­zen. Mit den getrof­fe­nen Aus­sa­gen sind aus­drück­lich keine Heil- oder Lin­de­rungs­ver­spre­chen ver­bun­den. Bei kon­kre­ten Ver­dachts­mo­men­ten auf krank­heits­wer­tige Ent­wick­lungs­ver­zö­ge­run­gen oder kli­ni­sche Stö­rungs­bil­der (wie z. B. ADHS oder LRS) wen­den Sie sich bitte unver­züg­lich an einen qua­li­fi­zier­ten Fach­arzt für Kin­der- und Jugend­me­di­zin, einen ent­spre­chen­den Fach­the­ra­peu­ten oder an ein sozi­al­päd­ia­tri­sches Zen­trum (SPZ).

Kerstin Anstatt
Kers­tin Anstatt
Als Heil­prak­ti­ke­rin und Coach unter­stütze ich Frauen bei hor­mo­nel­len und gynä­ko­lo­gi­schen The­men sowie Kin­der und Jugend­li­che bei gesund­heit­li­chen, emo­tio­na­len und schu­li­schen Her­aus­for­de­run­gen. Ein beson­de­rer Schwer­punkt mei­ner Arbeit ist die Reflex­in­te­gra­tion zur För­de­rung von Bewe­gung, Ler­nen, Kon­zen­tra­tion und inne­rer Sta­bi­li­tät.