Kreatin ist vielen Menschen vor allem als Nahrungsergänzungsmittel im Sport bekannt. Doch zunehmend rückt die körpereigene Substanz auch in der medizinischen Forschung und Gesundheitsprävention in den Fokus. Aktuelle Studien zeigen, dass Kreatin bei verschiedenen Erkrankungen unterstützend wirken kann und eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel von Muskeln und Nervensystem spielt.
Kreatin bei Muskelerkrankungen und Erschöpfung
Studien deuten darauf hin, dass Kreatin bei bestimmten Muskelerkrankungen und Beschwerden positive Effekte auf Muskelkraft, körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität haben könnte. Besonders untersucht wurde Kreatin unter anderem bei Muskeldystrophien und Fibromyalgie. Die Ergebnisse sind teilweise vielversprechend, die Datenlage ist jedoch je nach Erkrankung unterschiedlich gut.
Auch beim altersbedingten Muskelabbau (Sarkopenie) liegen inzwischen zahlreiche Studien vor. Insbesondere in Kombination mit regelmäßigem Krafttraining kann Kreatin dazu beitragen, Muskelmasse, Muskelkraft und körperliche Funktion im Alter besser zu erhalten.
Darüber hinaus wird Kreatin bei chronischer Erschöpfung und Long Covid untersucht. Erste Forschungsergebnisse weisen auf mögliche Vorteile für Energiehaushalt und körperliche Leistungsfähigkeit hin. Ob sich daraus künftig konkrete Therapieempfehlungen ableiten lassen, müssen weitere Studien zeigen.
Auch bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson wird seit Jahren erforscht, ob Kreatin therapeutisches Potenzial besitzt. Bislang sind die Ergebnisse jedoch nicht ausreichend, um eine allgemeine Empfehlung auszusprechen.
Wie der Körper Kreatin produziert
Der menschliche Körper kann Kreatin selbst herstellen. Die Produktion findet hauptsächlich in der Leber, den Nieren und der Bauchspeicheldrüse statt.
Mit zunehmendem Alter oder bei Erkrankungen dieser Organe kann die körpereigene Produktion jedoch abnehmen. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Kreatinspeicher über die Ernährung oder gezielte Supplementierung zu unterstützen.
Kreatin wird außerdem über die Nahrung aufgenommen – insbesondere über Fleisch und Fisch. Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, nehmen meist deutlich weniger Kreatin über die Ernährung auf und können daher geringere Kreatinspeicher im Körper haben.
Kreatin und der Energiestoffwechsel der Zellen
Im Körper spielt Kreatin eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel der Zellen. Es unterstützt die schnelle Bereitstellung von Energie – besonders in der Muskulatur.
Rund 95 Prozent des Kreatins im Körper befinden sich in den Skelettmuskeln, ein kleinerer Anteil auch im Gehirn. Dort wirkt Kreatin wie ein Energiespeicher. In Form von Kreatinphosphat hilft es dabei, den wichtigsten Energieträger der Zellen, das sogenannte ATP (Adenosintriphosphat), schnell wieder aufzuladen.
Dadurch steht insbesondere bei körperlicher Belastung rasch neue Energie zur Verfügung.
Bedeutung für Muskeln, Regeneration und Nervensystem
Neben der Energieversorgung der Muskulatur unterstützt Kreatin auch die Regeneration nach körperlicher Belastung und kann die neuromuskuläre Funktion positiv beeinflussen.
Auch für das Nervensystem und die Gehirnfunktion scheint Kreatin eine wichtige Rolle zu spielen, da das Gehirn ebenfalls auf eine stabile Energieversorgung angewiesen ist.
Fazit: Kreatin als wichtiger Bestandteil der Gesundheit
Kreatin ist weit mehr als ein typisches Sport-Supplement. Als natürlicher Bestandteil des Energiestoffwechsels unterstützt es wichtige Funktionen von Muskeln, Gehirn und Nervensystem. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Kreatin künftig auch in der Prävention und Therapie verschiedener Erkrankungen eine bedeutendere Rolle spielen könnte.
Studien zum Thema
1. Forbes SC, Candow DG, Ostojic SM, Roberts MD, Chilibeck PD (2021)
Meta-Analysis Examining the Importance of Creatine Ingestion Strategies on Lean Tissue Mass and Strength in Older Adults
Nutrients, 13(6), 1912. DOI: 10.3390/nu13061912
PMID: 34199420 | PMCID: PMC8229907
🔗 https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8229907/
2. Chilibeck PD, Candow DG, Landeryou T, Kaviani M, Paus-Jensen L (2014)
Creatine Supplementation during Resistance Training in Older Adults – A Meta-Analysis
Medicine & Science in Sports & Exercise, 46(6), 1194–1203. DOI: 10.1249/MSS.0000000000000220
🔗 https://journals.lww.com/acsm-msse/Fulltext/2014/06000/Creatine_Supplementation_during_Resistance.16.aspx
3. Chilibeck PD, Candow DG, Gordon JJ, Vogt E, Landeryou T, Kaviani M, Paus-Jensen L (2023)
A 2‑yr Randomized Controlled Trial on Creatine Supplementation during Exercise for Postmenopausal Bone Health
Medicine & Science in Sports & Exercise, 55(10), 1750–1760. DOI: 10.1249/MSS.0000000000003202
PMID: 37144634 | PMCID: PMC10487398
🔗 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37144634/
4. Candow DG, Chilibeck PD, Gordon JJ, Kontulainen S (2021)
Efficacy of Creatine Supplementation and Resistance Training on Area and Density of Bone and Muscle in Older Adults
Medicine & Science in Sports & Exercise, 53(11), 2388–2395. DOI: 10.1249/MSS.0000000000002722
PMID: 34107512
🔗 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34107512/
5. EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA) (2024)
Creatine and Improvement in Cognitive Function: Evaluation of a Health Claim pursuant to Article 13(5) of Regulation (EC) No 1924/2006
EFSA Journal, 22, e9100. DOI: 10.2903/j.efsa.2024.9100
🔗 https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2024.9100
Wichtiger rechtlicher Hinweis und Haftungsausschluss: Dieser Fachbeitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information, wissenschaftlichen Aufklärung und Markttransparenz auf unserem Portal. Er stellt zu keinem Zeitpunkt eine medizinische Beratung, Diagnose, therapeutische Empfehlung oder Behandlungsanweisung dar und kann den qualifizierten Rat eines Arztes oder Therapeuten niemals ersetzen. Die erwähnten Anwendungsbereiche von Kreatin bei spezifischen Krankheitsbildern (wie u. a. Muskeldystrophien, Fibromyalgie, chronischer Erschöpfung, Long Covid oder Parkinson) spiegeln den aktuellen Stand der internationalen Forschung wider, sind jedoch kein Bestandteil der allgemein anerkannten schulmedizinischen Behandlungsleitlinien oder der evidenzbasierten Medizin. Eine allgemeine therapeutische Wirksamkeit oder Zulassung von Kreatin zur Heilung oder Linderung der genannten Erkrankungen ist wissenschaftlich nicht allgemein anerkannt. Mit der Darstellung dieses Stoffes sind ausdrücklich keine Heil- oder Linderungsversprechen verbunden. Die Substitution von Nahrungsergänzungsmitteln sollte bei bestehenden Vorerkrankungen, insbesondere der Nieren oder der Leber, sowie bei dauerhafter Medikamenteneinnahme stets im Vorfeld mit dem behandelnden Facharzt abgesprochen werden.