⚠️ Recht­li­cher Hin­weis: Die­ser Bei­trag dient aus­schließ­lich der all­ge­mei­nen Infor­ma­tion und ersetzt keine ärzt­li­che oder psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Dia­gnose oder Behand­lung. Bei star­ken kör­per­li­chen Beschwer­den, anhal­ten­der Erschöp­fung, Depres­sio­nen, Angst­zu­stän­den oder Sui­zid­ge­dan­ken soll­test Du bitte umge­hend ärzt­li­che oder the­ra­peu­ti­sche Hilfe in Anspruch neh­men.

Stress gehört für viele Men­schen längst zum All­tag. Ter­mine, Ver­ant­wor­tung, Fami­lie, Beruf, stän­dige Erreich­bar­keit, hohe Erwar­tun­gen an sich selbst. Vie­les davon lässt sich eine Zeit lang aus­glei­chen. Doch irgend­wann sen­det der Kör­per Signale, die nicht mehr über­gan­gen wer­den soll­ten.

Viel­leicht schläfst Du schlech­ter. Viel­leicht krei­sen Deine Gedan­ken abends wei­ter, obwohl der Tag längst vor­bei ist. Viel­leicht reagierst Du gereiz­ter als frü­her, fühlst Dich schnel­ler über­for­dert oder hast das Gefühl, inner­lich gar nicht mehr rich­tig zur Ruhe zu kom­men.

Burn­out ent­steht meist nicht von heute auf mor­gen. Häu­fig ist es ein schlei­chen­der Pro­zess. Am Anfang steht oft ein hoher Anspruch: funk­tio­nie­ren, leis­ten, durch­hal­ten, für andere da sein. Das kann lange gut gehen. Manch­mal sogar so lange, dass die eige­nen Gren­zen kaum noch wahr­ge­nom­men wer­den.

Doch Dein Kör­per kann auf Dau­er­be­las­tung reagie­ren.

Was Stress im Kör­per aus­lö­sen kann

Stress ist zunächst keine Krank­heit. Er ist eine natür­li­che Reak­tion des Kör­pers auf Anfor­de­run­gen. Kurz­fris­tig kann Stress sogar hilf­reich sein: Er macht wach, fokus­siert und hand­lungs­fä­hig.

Pro­ble­ma­tisch kann es wer­den, wenn der Kör­per kaum noch in die Ent­span­nung zurück­fin­det. Dann bleibt das Ner­ven­sys­tem mög­li­cher­weise in einer Art inne­rer Alarm­be­reit­schaft. Viele Men­schen beschrei­ben das als:

  1. Gedan­ken­krei­sen
  2. innere Unruhe
  3. Schlaf­stö­run­gen
  4. Erschöp­fung trotz Ruhe­pha­sen
  5. Kon­zen­tra­ti­ons­pro­bleme
  6. Mus­kel­ver­span­nun­gen
  7. Druck­ge­fühl im Brust- oder Magen­be­reich
  8. Gereizt­heit
  9. Rück­zug
  10. das Gefühl, „nicht mehr rich­tig bei sich“ zu sein

Diese Signale sind keine Schwä­che. Sie kön­nen Hin­weise dar­auf sein, dass Dein Sys­tem über län­gere Zeit viel getra­gen hat.

Burn­out: Wenn Erho­lung nicht mehr rich­tig gelingt

Viele Betrof­fene sagen: „Ich weiß gar nicht, warum ich so erschöpft bin. Eigent­lich müsste ich doch ein­fach mal abschal­ten.“

Genau hier liegt oft das Pro­blem. Abschal­ten ist nicht nur eine Ent­schei­dung im Kopf. Wenn das Ner­ven­sys­tem über län­gere Zeit ange­spannt war, kann es sinn­voll sein, genauer hin­zu­schauen und sich bei Bedarf Unter­stüt­zung zu holen.

Burn­out wird häu­fig mit beruf­li­cher Über­las­tung ver­bun­den. Doch auch pri­vate Ver­ant­wor­tung, Pflege von Ange­hö­ri­gen, emo­tio­nale Kon­flikte, Per­fek­tio­nis­mus oder das dau­er­hafte Gefühl, für alles zustän­dig zu sein, kön­nen eine große Rolle spie­len.

Wich­tig ist: Anhal­tende Erschöp­fung sollte immer ernst genom­men und medi­zi­nisch abge­klärt wer­den. Denn auch kör­per­li­che Ursa­chen wie Schild­drü­sen­the­men, Nähr­stoff­män­gel, Ent­zün­dun­gen, hor­mo­nelle Ver­än­de­run­gen oder andere Erkran­kun­gen kön­nen ähn­li­che Beschwer­den aus­lö­sen.

Ganz­heit­li­che Stress­be­wäl­ti­gung: Den eige­nen Signa­len wie­der näher­kom­men

Ganz­heit­li­che Stress­be­wäl­ti­gung bedeu­tet nicht, ein­fach nur „posi­ti­ver zu den­ken“. Es geht viel­mehr darum, den Men­schen als Gan­zes zu betrach­ten: Kör­per, Gedan­ken, Gefühle, Ner­ven­sys­tem, Lebens­si­tua­tion und per­sön­li­che Mus­ter.

In mei­ner Arbeit geht es häu­fig um Fra­gen wie:

  1. Wo über­schrei­test Du regel­mä­ßig Deine eige­nen Gren­zen?
  2. Wel­che inne­ren Antrei­ber set­zen Dich unter Druck?
  3. Was hält Dich im Gedan­ken­ka­rus­sell fest?
  4. Wel­che Signale Dei­nes Kör­pers hast Du viel­leicht lange über­hört?
  5. Was könnte Dir hel­fen, wie­der mehr Ruhe und Ori­en­tie­rung zu erle­ben?

Gerade bei Stress und begin­nen­der Erschöp­fung kann es hilf­reich sein, nicht nur über Pro­bleme zu spre­chen, son­dern auch den Kör­per bewuss­ter ein­zu­be­zie­hen. Denn Stress zeigt sich nicht nur im Kopf. Er kann sich auch im Atem, in der Mus­ku­la­tur, im Schlaf, in der Ver­dau­ung und in der inne­ren Grund­span­nung bemerk­bar machen.

Kleine Übung: Zurück in den Moment

Eine ein­fa­che Übung für den All­tag ist die bewusste Ori­en­tie­rung im Hier und Jetzt.

Setz Dich für einen Moment auf­recht hin. Spüre Deine Füße auf dem Boden. Nimm wahr, wo Dein Kör­per Kon­takt zum Stuhl hat. Lass Dei­nen Blick lang­sam durch den Raum wan­dern und benenne inner­lich fünf Dinge, die Du sehen kannst.

Dann spüre Dei­nen Atem, ohne ihn ver­än­dern zu müs­sen. Viel­leicht wird er von allein etwas ruhi­ger. Viel­leicht auch nicht. Bei­des ist in Ord­nung.

Diese kleine Übung kann Dich dabei unter­stüt­zen, Deine Auf­merk­sam­keit wie­der stär­ker in den gegen­wär­ti­gen Moment zu len­ken.

Sie ersetzt keine Behand­lung, kann aber ein mög­li­cher ers­ter Schritt sein, wie­der bewuss­ter Kon­takt zu Dir selbst auf­zu­neh­men.

Hyp­no­sys­te­mi­sche Beglei­tung bei Stress

In der hyp­no­sys­te­mi­schen Arbeit wird davon aus­ge­gan­gen, dass Men­schen innere Res­sour­cen besit­zen kön­nen, die ihnen in belas­ten­den Pha­sen nicht immer bewusst zugäng­lich sind.

Unter Stress ver­engt sich häu­fig der innere Blick. Pro­bleme wir­ken grö­ßer, Mög­lich­kei­ten klei­ner. In einer beglei­ten­den Arbeit kann es darum gehen, mög­li­che Zugänge zu inne­rer Ruhe, Klar­heit und Selbst­wirk­sam­keit zu erkun­den.

Hyp­no­se­the­ra­pie kann im Ein­zel­fall ein Ansatz sein, um innere Mus­ter bewuss­ter wahr­zu­neh­men. Die Wir­kung ist indi­vi­du­ell ver­schie­den und nicht garan­tiert. Dabei geschieht nichts gegen Dei­nen Wil­len. Viel­mehr steht im Mit­tel­punkt, gemein­sam zu erkun­den, wel­che per­sön­li­chen Res­sour­cen und inne­ren Lösungs­wege für Dich hilf­reich sein könn­ten.

Wann Unter­stüt­zung sinn­voll sein kann

Pro­fes­sio­nelle Unter­stüt­zung kann sinn­voll sein, wenn Du merkst, dass Du allein nicht mehr gut aus der Belas­tung her­aus­fin­dest. Beson­ders dann, wenn Schlaf­pro­bleme, Erschöp­fung, Ängste, kör­per­li­che Stress­sym­ptome oder innere Unruhe über län­gere Zeit bestehen.

Du musst nicht war­ten, bis gar nichts mehr geht.

Manch­mal ist der wich­tigste Schritt nicht, noch stär­ker zu wer­den. Son­dern ehr­lich wahr­zu­neh­men, dass Dein Kör­per viel­leicht bereits sehr lange stark war.

Stress­be­wäl­ti­gung beginnt dort, wo Du auf­hörst, Deine Signale nur als Stö­rung zu betrach­ten, und beginnst, sie als mög­li­che Ein­la­dung zu ver­ste­hen: zurück zu Dir, zu Dei­nen Gren­zen, zu Dei­ner Kraft und zu einem Leben, das sich im bes­ten Fall wie­der stim­mi­ger anfüh­len kann.

Claudia Bräuer
Clau­dia Bräuer
Clau­dia Bräuer ist Heil­prak­ti­ke­rin (Psy­cho­the­ra­pie), Coach, Spea­ke­rin und Autorin. Nach vie­len Jah­ren im Finanz- und Unter­neh­mens­um­feld beglei­tet sie heute Men­schen, die unter anhal­ten­dem Stress, Erschöp­fung oder hoher psy­chi­scher Belas­tung lei­den. In ihrer Pra­xis ver­bin­det sie gesprächs­the­ra­peu­ti­sche, hyp­no­sys­te­mi­sche und kör­per­ori­en­tierte Ansätze mit dem Ziel, indi­vi­du­elle Ver­än­de­rungs­pro­zesse zu unter­stüt­zen.